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KapitalanlageOktober 20268 Min. Lesezeit

Hebeleffekt bei Immobilien: einfach erklärt, mit Rechnung

Mit 26.400 € eigenem Geld eine Wohnung für 160.000 € kaufen und trotzdem den Wertzuwachs der ganzen Wohnung bekommen: Das ist der Hebeleffekt. In diesem Artikel rechne ich an einem Beispiel durch, wie er funktioniert, wer die Zinsen dafür bezahlt, warum er in beide Richtungen wirkt und wann er sich lohnt.

Lewin WarneckeKlinkr

Lieber schauen statt lesen? Im Video rechne ich das ganze Beispiel durch.

Was der Hebeleffekt bei Immobilien bedeutet

Mit einem Hebel bewegst du mit wenig Kraft eine schwere Last. Bei einer Immobilie ist dein eigenes Geld die Kraft und der Kredit der Hebel: Du bringst einen kleinen Teil des Kaufpreises mit, die Bank finanziert den Rest, und dir gehört trotzdem die ganze Wohnung.

In der Betriebswirtschaft heißt das Leverage-Effekt. Gemeint ist dasselbe: Geliehenes Geld steigert, was dein eigenes Geld bringt. Das klappt aber nur unter bestimmten Bedingungen, und es wirkt auch in die andere Richtung. Beides rechne ich hier an einem Beispiel durch.

Teil 1Das Beispiel: Max kauft eine Wohnung in Halle

Max ist angestellt, verdient gut und liegt beim Spitzensteuersatz von 42 %. Er kauft eine vermietete Bestandswohnung in Halle an der Saale: 65 m², Kaufpreis 160.000 €, Kaltmiete 520 € im Monat. Preis und Miete liegen damit ziemlich genau im Durchschnitt der Stadt.

Max bringt 10 % vom Kaufpreis mit, also 16.000 €. Dazu kommen die Kaufnebenkosten von rund 10.400 €, die die meisten Banken nicht mitfinanzieren. Zusammen setzt Max 26.400 € ein. Die restlichen 144.000 € finanziert die Bank, zu 4,48 % mit 10 Jahren Zinsbindung.

So finanziert Max die Wohnung

Kaufpreis 160.000 €
  • Bank finanziert 90 %144.000 €
  • Max bringt 10 % mit16.000 €
  • Kaufnebenkosten10.400 €
  • Max setzt insgesamt ein26.400 €
Grunderwerbsteuer Sachsen-Anhalt 5 %, Notar und Grundbuch rund 1,5 % (baufivergleich.de), ohne Makler. Zins 4,48 %: bester Effektivzins bis 90 % Beleihung, 10 Jahre fest (Capitalo, Stichtag 11.09.2026).

Teil 2Der Hebel: Der Wertzuwachs zählt auf die ganze Wohnung

Wenn die Wohnung an Wert gewinnt, gewinnt die ganze Wohnung, nicht nur der Teil, den Max bezahlt hat. Die Bank bekommt ihren Kredit und die Zinsen zurück, mehr nicht. Der Wertzuwachs gehört Max.

Wir rechnen vorsichtig mit 2 % im Jahr, das ist ungefähr die Inflation. Auf 160.000 € sind das 3.200 € im ersten Jahr.

Hätte Max die Wohnung komplett selbst bezahlt, hätte er samt Nebenkosten 170.400 € eingesetzt. Die 3.200 € wären dann rund 1,9 % auf sein Geld. Mit Kredit setzt er nur 26.400 € ein. Derselbe Wertzuwachs sind dann rund 12 % auf sein Geld. Das ist der Hebeleffekt.

Derselbe Wertzuwachs, anderer Einsatz

Annahme: +2 % im Jahr
Ohne KreditMax zahlt alles selbst
Einsatz170.400 €
Auf sein Geld1,9 %
  • 3.200 € Wertzuwachs im ersten Jahr
Mit HebelMax bringt 10 % mit
Einsatz26.400 €
Auf sein Geld12,1 %
  • 3.200 € Wertzuwachs im ersten Jahr
Rund sechsmal so viel pro eingesetztem Euro
Wertzuwachs 2 % auf 160.000 € = 3.200 € im ersten Jahr. Annahme, keine Prognose. Zinsen, Miete und Steuer folgen im nächsten Abschnitt.

Wer die Zinsen für den Hebel bezahlt

Der Hebel ist nicht umsonst. Für die 144.000 € zahlt Max im ersten Jahr rund 530 € Zinsen im Monat. Dazu kommen rund 250 € Tilgung, mit denen er den Kredit abzahlt, und rund 110 € laufende Kosten für Verwaltung, Rücklage und einen Puffer für Mietausfall.

Den größten Teil davon zahlen andere. Der Mieter überweist 520 € Miete. Und weil Zinsen, Kosten und die Abschreibung auf das Gebäude Max' zu versteuerndes Einkommen senken, bekommt er vom Finanzamt rund 140 € im Monat zurück.

Übrig bleiben rund 230 €, die Max jeden Monat selbst dazulegt. Im selben Monat fließen über die Tilgung rund 250 € in seine Wohnung. Sein eigenes Geld ist also nicht weg, es landet in seinem Vermögen.

Ein Monat im ersten Jahr

Schnitt pro Monat, gerundet
  • Zins an die Bank−530 €
  • Tilgung, gehört Max−250 €
  • Laufende Kosten−110 €
  • Miete vom Mieter+520 €
  • Erstattung vom Finanzamt+140 €
  • Legt Max selbst dazu−230 €
Grenzsteuersatz 42 %, Abschreibung 2 % auf 75 % Gebäudeanteil, 100 € nicht umlagefähige Kosten im Monat, 2 % Mietausfall.

Teil 3Über die Jahre wird der Hebel stärker

Was Max dazulegt, steigt über die Jahre nur leicht. Das liegt daran, dass mit den sinkenden Zinsen auch die Erstattung vom Finanzamt kleiner wird. Sein Vermögen wächst dagegen jedes Jahr schneller.

Zum einen geht von derselben Rate jedes Jahr mehr in die Tilgung, weil die Zinsen auf eine kleinere Restschuld fallen. Zum anderen wird der Wertzuwachs auf einen immer höheren Wohnungswert gerechnet.

Im ersten Jahr werden aus 230 € im Monat rund 520 € Vermögen. Im zwanzigsten Jahr werden aus rund 260 € fast 960 €. Nach 10 Jahren ist die Wohnung im Beispiel rund 195.000 € wert, die Restschuld liegt bei rund 108.000 €. Rund 87.000 € gehören dann Max.

Was Max dazulegt und wie sein Vermögen wächst

pro Monat
Max legt dazuVermögen wächst
230 €
520 €
230 €
580 €
230 €
690 €
240 €
810 €
260 €
960 €
280 €
1.150 €
Jahr 1Jahr 5Jahr 10Jahr 15Jahr 20Jahr 25
Sein Anteil steigt kaum, das Vermögen wächst immer schneller
Annahmen: Wohnung, Miete und Kosten +2 % pro Jahr, Zins nach der Zinsbindung unverändert (4,48 %). Vermögen = Tilgung plus Wertzuwachs. Keine Prognose, gerundet.

Teil 4Der Hebel wirkt in beide Richtungen

So wie der Hebel einen Wertzuwachs verstärkt, verstärkt er auch einen Wertverlust. Der Kredit bleibt gleich hoch, egal was die Wohnung gerade wert ist.

Steigt der Wert um 10 %, gewinnt Max 16.000 €. Bezogen auf seine 26.400 € sind das rund 61 %. Fällt der Wert um 10 %, sind 16.000 € weg, ebenfalls rund 61 % seines Einsatzes. Ohne Kredit wären es in beiden Fällen rund 9 %.

Solange Max nicht verkaufen muss, ist ein niedrigerer Wert eine Zahl auf dem Papier. Die Miete kommt weiter, die Tilgung läuft weiter. Zum echten Verlust wird er erst, wenn Max in so einer Phase verkaufen muss. Deshalb kommt es auf die Voraussetzungen an.

Der Hebel wirkt in beide Richtungen

Einsatz 26.400 €
Wert +10 %Wohnung steigt auf 176.000 €
Für Max+16.000 €
Auf seinen Einsatz+61 %
  • Ohne Kredit: +9,4 %
Wert −10 %Wohnung fällt auf 144.000 €
Für Max−16.000 €
Auf seinen Einsatz−61 %
  • Ohne Kredit: −9,4 %
Zum Verlust wird es erst beim Verkauf
Rechenbeispiel. Einsatz: 16.000 € Eigenkapital plus 10.400 € Kaufnebenkosten. Ohne Kredit: Einsatz 170.400 €.

Wann sich der Hebeleffekt lohnt

Der Hebel funktioniert, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind.

Erstens muss die Wohnung mehr bringen, als der Kredit kostet. Im Beispiel bringen Miete nach Kosten und Wertzuwachs zusammen rund 4,8 % auf den Kaufpreis samt Nebenkosten. Der Kredit kostet 4,48 %. Das reicht, aber knapp. Ist die Wohnung zu teuer eingekauft oder der Zins deutlich höher, kippt die Rechnung. Deshalb muss der Kaufpreis zur Miete passen.

Zweitens brauchst du Zeit. Der Hebel spielt seine Stärke über viele Jahre aus. Wer nach zwei Jahren verkaufen muss, hat die Kaufnebenkosten bezahlt und verkauft womöglich im falschen Moment. Hältst du die Wohnung länger als 10 Jahre, ist ein Gewinn beim Verkauf außerdem steuerfrei.

Drittens brauchst du ein Polster: einen Notgroschen für dich selbst, die Verbraucherzentrale nennt zwei bis drei Nettogehälter, und Geld für die Wohnung, falls ein Mieter auszieht oder eine Reparatur ansteht. Fehlt das Polster, ist der richtige erste Schritt nicht die Wohnung, sondern die Rücklage.

Wann der Hebel funktioniert

alle drei sollten erfüllt sein
ErstensDie Wohnung bringt mehr, als der Kredit kostet
Im Beispiel4,8 % zu 4,48 %
  • Kaufpreis passt zur Miete
ZweitensDu hältst die Wohnung lange
Steuerfrei verkaufennach 10 Jahren
  • Kein Verkauf im falschen Moment
DrittensEin Polster ist da
Notgroschen2–3 Nettogehälter
  • Dazu ein Puffer für die Wohnung
Fehlt eine davon, kippt der Hebel
Erstes Jahr: Miete nach Kosten 4.915 € plus Wertzuwachs 3.200 € auf 170.400 € Gesamtkosten. Steuerfreier Verkauf nach mehr als 10 Jahren: § 23 EStG. Notgroschen: Faustregel der Verbraucherzentrale.

FazitDie Antwort in drei Sätzen

Beim Hebeleffekt kaufst du mit wenig eigenem Geld und einem Kredit eine ganze Wohnung, und der Wertzuwachs zählt auf die ganze Wohnung.

Die Zinsen dafür tragen zum größten Teil Mieter und Finanzamt. Dein eigener Anteil landet über die Tilgung in deinem Vermögen.

Der Hebel verstärkt Gewinne und Verluste. Deshalb funktioniert er nur mit passendem Kaufpreis, langem Atem und einem Polster.

Bleibt die Frage: Welche Wohnung passt zu deinem Einkommen?

Häufige Fragen

Was ist der Hebeleffekt bei Immobilien?

Beim Hebeleffekt kaufst du eine Immobilie zum größten Teil mit einem Kredit und bringst selbst nur einen kleinen Teil mit. Weil dir trotzdem die ganze Wohnung gehört, zählt ein Wertzuwachs auf den ganzen Kaufpreis. Bezogen auf dein eigenes Geld fällt er dadurch deutlich größer aus. Im Beispiel sind es rund 12 % statt rund 1,9 % im Jahr.

Ist der Hebeleffekt dasselbe wie der Leverage-Effekt?

Ja. Leverage-Effekt ist der Fachbegriff aus der Betriebswirtschaft, Hebeleffekt die deutsche Bezeichnung. Gemeint ist, dass geliehenes Geld steigert, was dein eigenes Geld bringt, solange die Investition mehr abwirft, als der Kredit kostet.

Wann lohnt sich der Hebeleffekt?

Wenn die Wohnung mehr bringt, als der Kredit kostet. Gemeint sind Miete nach Kosten plus Wertzuwachs, bezogen auf Kaufpreis und Nebenkosten. Im Beispiel sind das rund 4,8 % gegenüber 4,48 % Zins. Dazu brauchst du Zeit und ein Polster, damit du nicht im falschen Moment verkaufen musst.

Kann der Hebeleffekt auch schaden?

Ja. Der Hebel verstärkt auch einen Wertverlust, weil der Kredit gleich hoch bleibt. Fällt die Wohnung im Beispiel um 10 %, sind 16.000 € weg, rund 61 % von Max' Einsatz. Zum echten Verlust wird das aber erst, wenn du in so einer Phase verkaufen musst.

Zahlt der Mieter wirklich meinen Kredit ab?

Zum größten Teil. Im Beispiel gehen jeden Monat rund 890 € für Zins, Tilgung und Kosten raus. Der Mieter zahlt 520 €, das Finanzamt erstattet rund 140 €. Rund 230 € legt Max selbst dazu, während über die Tilgung rund 250 € in seine Wohnung fließen.

Wie viel Eigenkapital brauche ich für den Hebeleffekt?

Die Kaufnebenkosten bringst du fast immer selbst mit, bei 160.000 € Kaufpreis in Sachsen-Anhalt rund 10.400 €. Wie viel du darüber hinaus einsetzt, hängt davon ab, was dein übriges Geld sonst macht und wie groß deine Rücklage ist. Dazu gibt es einen eigenen Artikel.

Quellen und Annahmen
  • Beispielwohnung: Halle (Saale), 65 m², Kaufpreis 160.000 € (Ø rund 2.450 €/m², McMakler 2026), Kaltmiete 520 € (Ø 8,00 €/m², miete-aktuell.de 2026).
  • Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer Sachsen-Anhalt 5 % (8.000 €), Notar und Grundbuch rund 1,5 % (2.400 €, baufivergleich.de). Ohne Makler.
  • Finanzierung: 10 % Eigenkapital (16.000 €) plus Kaufnebenkosten, Kredit 144.000 € zu 4,48 % (bester Effektivzins bis 90 % Beleihungsauslauf, 10 Jahre Zinsbindung, Capitalo, Stichtag 11.09.2026), 2 % anfängliche Tilgung. Zins nach der Zinsbindung unverändert (Annahme).
  • Monat: erstes Jahr, Schnitt pro Monat. AfA 2 % auf 75 % Gebäudeanteil, 100 € nicht umlagefähige Kosten im Monat, 2 % Mietausfall. Grenzsteuersatz 42 % (Spitzensteuersatz ab 69.879 € zu versteuerndem Einkommen, § 32a EStG 2026, ledig).
  • Wertentwicklung: Wohnung +2 % pro Jahr, etwa die Inflation (Annahme, keine Prognose). Miete und Kosten ebenfalls +2 % pro Jahr.
  • Hebel: Wertzuwachs 3.200 € im ersten Jahr bezogen auf 170.400 € (ohne Kredit) bzw. 26.400 € Einsatz (mit Kredit). Ohne Zinsen, Miete und Steuer.
  • Voraussetzung Ertrag: Miete nach Kosten (6.240 € minus 1.325 €) plus Wertzuwachs (3.200 €) auf 170.400 € Gesamtkosten, erstes Jahr, vor Steuer.
  • Steuerfreier Verkauf nach mehr als 10 Jahren: § 23 EStG. Notgroschen: Faustregel der Verbraucherzentrale, 2 bis 3 Nettogehälter.
  • Wertentwicklung, Mieten und Renditen sind nicht garantiert. Alle Werte gerundet.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.